Letzte News vom letzten Jahr: Farwa Ahmadyar & Artur Nickel bei "Schreiben!"

Kommende Woche starten die Lehrveranstaltungen des Sommersemesters 2024. Da wird es langsam dringlich, das Jahr 2023 endlich abzuschließen  - die letzte News von damals zu veröffentlichen. Schließlich gäbe und gibt es auch noch Berichtenswertes aus ersten Monaten im Jahr 2024 - und ganz aktuelle Ankündigungen (und Einladungen) zudem. Also nun, endlich, die letzte News aus dem Jahr 2023.

Was mich, neben vielen anderen, im letzten Wintersemester sehr beschäftigt gehalten hat, was das Projektseminar "Kreativ-literarisches Schreiben an Schulen". Im Sommersemester 2023 hatten Kirsten Schindler und ich dieses Seminar noch als Rückblick und Aufarbeitung des "Wuppertaler Schulhausromans" als ein beachtenswertes Praxisbeispiel umgesetzt (s. meine erste News aus dem letzten Jahr). Im Wintersemester starteten wir nun mit dem eigentlichen Vorhaben: nicht nur analytisch auf Bestehendes oder Ehemaliges zu schauen, sondern zusammen mit den Studierenden im Seminar selbst ins Tun und Gestalten zu kommen. Der Plan war (und ist - schließlich laufen einzelne Schreibangebote aktuell noch), die Studierenden über das Seminar darauf vorzubereiten und dazu zu befähigen, ein eigenes kreativ-literarisches Schreibangebot zu entwerfen und an einer Schule ihrer Wahl umzusetzen. Neben den persönlichen und bei uns, den Dozent:innen, zusammenlaufenden Praxiserfahrungen, die dann reflektiert und für die Weiterentwicklung sowohl der Studierenden als (zukünftige) Lehrer:innen, aber auch des Seminar- und Projektangebots genutzt werden sollten, war es auch unser Anliegen überhaupt Praxiskontakte zu interessierten Schulen oder anderen Personen und Initiativen aufzubauen, die sich um gute, gelingende Konzepte des kreativ-literarischen Schreibens bemühen (s. auch unsere Pressemeldung vom 04.12.2023). 

Entsprechend engagierten wir uns mit unserem Thema des "kreativ-literarischen Schreibens an Schulen" auch um Vernetzung und öffentliche Aufmerksamkeit: Wir luden Menschen mit Expertise in das Seminar und organisierten - in Kooperation mit dem Literaturhaus Wuppertal - jeweils auch eine öffentliche Veranstaltung mit ihnen. Drei Termine waren das: Einer im Dezember mit Farwa Ahmadyar & Artur Nickel, die ihre Projekte und Erfahrungen mitbrachten, Jugendliche des Ruhrgebiets bzw. Kinder einer Essener Grundschule zum literarischen Schreiben einzuladen. Nach dem Seminargespräch gab es dann ein von Michael Serrer moderiertes Podiumsgespräch in der Zentralbibliothek in Wuppertal Elberfeld. Darüber möchte ich hier (gleich) noch rückblickend berichten. Zwei weitere Begegnungen wurden dann noch im Januar umgesetzt: mit Hanns-Josef Ortheil und mit Sabine Burkhardt und Kathrin Schadt von POEDU (das wären noch zwei weitere, in den nächsten Tagen zu veröffentlichende News).

Hier aber nun (in aller Kürze): Was war und ist für mich besonders bemerkens- und hervorhebenswert an der "Essener Jugendanthologie" (Artur Nickel) und des Schreibprojekts an der Maria-Kunigunda-Schule in Essen Karnap (Farwa Ahmadyar, HIER der Link zur Verlagsseite des entstandenen Buches)?

Zuallererst einmal die Überzeugung, die Farwa und Artur ihren Schreibangeboten zu Grunde legen: das Kinder und Jugendliche etwas zu sagen haben und dies auch gerne schreibend tun -  wenn sie den Raum und die Freiheit bekommen, das auf ihre Weise zu tun. Bei der Essener Jugendanthologie dienen dazu die offenen Themenstellungen (aktuell - für das Jahr 2024 - lautet sie beispielsweise "Zwischen meinen Stühlen", LINK zum Direkt-Download des Flyers) und - mir in der Person Artur Nickels glaubhaft begegnende - Einladung: "Schreibe was du willst: [...] Erzähle, erfinde, berichte, dichte. Schreibe in der  Sprache, in der du dich zu Hause fühlst." Selbstverständlich wird dann für das  Buch ausgewählt und - sorgsam-umsichtig - lektoriert, nicht alles wird veröffentlicht und nicht alles unter dem 'echten' Namen. Aber, und das zeigten mir die Blicke in das Buch und die Lesungen von Farwa Ahmadyar, die selbst mehrfach in den Essener Jugendanthologien veröffentlichte, Anliegen und Gestus der letzten publizierten Bücher ist die authentische Äußerung von Jugendlichen zu den Themen, Fragen und Antworten, die sie umtreiben, und die mit den Anthologien zugleich als Nachzulesen und Lesenswert präsentiert werden. Da es sich bei den Essener Jugendanthologien um eine offene Ausschreibung handelt, sind sie allerdings eher als ein zusätzliches, freiwilliges und v.a. außerschulisches Schreibangebot einzuordnen - auch wenn Artur Nickel, als ehemaliger Lehrer, auf die bestehenden und nicht nur von ihm - früher - genutzten Möglichkeiten verwies, eine schreibende Auseinandersetzung mit dem aktuellen Anthologie-Thema (oder auch Impulsen aus anderen Wettbewerbe) in den Unterricht zu integrieren. 

Von einem schulischen Schreibangebot, das zum Jahresbeginn 2020 (unmittelbar vor 'Corona') an der Maria-Kunigunda-Schule in Essen Karnap stattgefunden hat, konnte dagegen Farwa Ahmadyar berichten. In ihrer Rolle als Pädagogin an der Schule warb sie für die Idee eines Schreibtags für alle 350 Schüler:innen, also verpflichtend für jede:n und als Teil des - projektförmig geöffneten - Unterrichts. Ähnlich wie bei der Essener Jugendanthologie war das zentrale Anliegen, den Schüler:innen Räume zu öffnen bzw. die Gelegenheit und Freiheit zu geben, sich über sich und die eigenen Sichtweisen zu äußern - dabei einerseits zu üben, passende Worte für ihre Eindrucke, Gefühle oder auch Fantasien zu finden, andererseits aber zu beweisen, dass ihnen - das in einer beindruckenden Weise - schon jetzt gelingt. Für den Schreibtag wurde, so erzählte Farwa anschaulich, die gesamte Schule umgestaltet - es wurden thematische Schreibinseln geschaffen (mit einer passenden kreativen Ausstattung), zwischen denen die Kindern umherwandern und wo sie sich niederlassen konnten, um dort - so lange wie für sie richtig - zu schreiben. Überraschend und begeisternd (aber dann auch sofort einleuchtend) war für mich die Problemlösung für die noch begrenzten Schreibfähigkeiten der Kinder z.B. in der 1. Klasse: In Kooperation mit einer benachbarten weiterführenden Schule bekamen die Schulanfänger Assistent:innen (Schüler:innen einer 5. Klasse), die sie an diesem Tag begleiteten und sich die zu schreibenden Texte diktieren ließen. Gut einfühlen und amüsieren konnte ich mich in die Begeisterung der (kleinen) Kinder, ihr Hochgefühl, ihre Freude an der geschenkten Macht, wenn sie sich zum Diktat in einen Sitzsack fläzten, und den älteren Kindern vorsagten, was sie zu schreiben hätten ... Oder nein, doch nicht! Noch einmal anders.  Bitte streichen. Und jetzt so ... Gerade dieses kooperative - für den anderen - Schreiben war ein AHA-Moment für mich: Ja, natürlich - wieso ermöglichen wir nicht auf diese Weise viel öfter und letztlich allen, eine Stimme zu haben bzw. diese schriftlich einzubringen. Die Angst, die bloß diktierenden Autor:innen könnten so abhängig werden und abhängig bleiben von den aufschreibenden Helfer:innen scheint mir unbegründet: Irgendwann kommen auch die Kleinen in das Alter die größeren zu sein und die Schreibaufgabe zu übernehmen ... eine ähnliche Struktur wie der Generationenvertrag bei der Rente, scheint mir, mit einem wesentlichen (guten) Unterschied: Hier erhalten die für das Glück der anderen Arbeitenden, die positive Leistung zuerst (als die jüngere, bedürftige Generation) und müssen / sollen sich erst später, als älter Gewordene, dafür bei den dann Jüngeren auf gleiche Weise revanchieren. Ein gute Übung und Erfahrung scheint mir das in Solidarität - die ich mir nicht nur für das kooperative kreativ-literarische Schreiben als empfehlenswerten Ansatz vorstellen kann.

Für mich zumindest war die Begegnung mit Farwa Ahmadyar und Artur Nickel eindrücklich und inspirierend: Ja, es macht Sinn eher Gelegenheiten zum Schreiben zu geben und das Schreiben als Tätigkeit möglichst einfach und hürdelos zu gestalten, als Kinder und Jugendliche mit bestimmten Erwartungen, Regeln und (letztlich) Bewertungskriterien zu konfrontieren, die ihnen womöglich helfen und Struktur geben (sollen), aber zugleich - für einige, sicher nicht für alle - dann auch die Erfahrung erzeugen und bestärken, diese Erwartungen, Regeln und Kriterien nicht zu verstehen, sie überhaupt erst verstehen zu müssen, um ihnen folgen zu können, und schließlich ihnen nicht zu genügen.  

News aus dem letzten Jahr (03): Bundestreffen "Herausforderung"

 Auch das ist nun schon viele Monate her: Am 22. und 23. September 2023 haben sich 25 Vertreter:innen von Schulen, die ihren Schüler:innen das Angebot einer "Herausforderung" machen, in Landau getroffen. Gemeinsam gestaltet wurde das Treffen von der IGS Landau als einladender Schule und vom HeRiS-Forschungsverbund, dem ich seit Jahren angehöre. Die eigentliche Vorbereitungsarbeit für den HeRiS-Verbund hat vor allem mein Kollege Michael Zimmer-Müller vom Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) an Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau geschultert. Nun ist ein kurzer Nachbericht zum Bundestreffen auf der Webseite des zepf erschienen - mit sowohl beschreibenden als auch bildlichen Impressionen (siehe HIER).

Mir selbst ist dieses Treffen als besonderes produktiv in Erinnerung, gerade weil die direkte Begegnung und der persönliche Austausch von Schulen mit viel und weniger Erfahrung bei der Umsetzung der Idee der Herausforderung im Mittelpunkt stand. Dazu passte auch die von uns gewählte Form eines Barcamps: Statt vorbereiteter Expert:innen-Vorträge in einem festgefügten Programm (wie in der ursprünglichen Ausschreibung als Bundeskongress zusammen mit "Schule im Aufbruch" und dem "Herausforderung einfach machen" noch angedacht), entstanden die thematischen Schwerpunkte aus den Interessen der Teilnehmenden und wurden dann - mit den anwesenden Expert:innen - direkt im fallorientierten Kleingruppen besprochen. Vielleicht wäre etwas mehr Zeit sinnvoll gewesen, um den aus den einzelnen Gesprächsforen entstehenden weiterführenden Fragen oder auch gemeinsamen Vorhaben noch mit genügend Zeit und Ruhe nachzugehen. So endete der intensive und produktive Austausch etwas zu früh. Für ein mögliches nächstes Mal denke ich deswegen: Besser ist dann doch ein ganzes Wochenende, auch wenn für Schulvertreter:innen angesichts der fortlaufend zu bewältigenden Stundenvorbereitungen und Korrekturen die Hürde eher groß ist, sich auf eine so lange (und ggf. auch weite) Reise zu machen. Wir - vom HeRiS-Forschungsverbund - sind auf jeden Fall weiter am Thema.

News aus dem letzten Jahr (02): Vortrag beim Expert:innenforum Startchancen

Am 2. Februar 2024 haben sich Bundesbildungsministerium und KMK formell auf das Startchacnen-Programm verständigt, das - startend zum Schuljahr 2024/25 - zehn Jahren lang 4.000 Schulen mit insgesamt 20 Milliarden  Euro dabei unterstützen will, bessere Lernbedingungen für ihre Schüler:innen zu schaffen. Gefördert werden sollen Schulen (und Schüler:innen), die es - orientiert an sozioökonomischen Merkmalen - besonders bedürfen (s. als Überblick die BMBF-Seite zum Startchancen-Programm und - immer empfehlenswert als differenzierte Hintergrundberichterstattung - den Blog von Jan-Martin Wiarda z.B. HIER). 

Als unabhängige diskursive Begleitung des Startchancen-Programms organisiert das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) zusammen mit der  Robert-Bosch-Stiftung seit Dezember 2022 das Expert:innenforum Startchancen (im Überblick HIER). Anliegen ist die Vernetzung von "Stakeholder[n] aus Wissenschaft, Praxis, Zivilgesellschaft und Politik [...] mit dem Ziel, Empfehlungen für die Gestaltung des Startchancen-Programms der Bundesregierung zu erarbeiten."

Beim dritten Treffen am 8. November 2023 standen die  Rolle der Kommunen bei der Bildungssteuerung (und damit auch bei der Umsetzung des Startchancen-Programms) im Mittelpunkt. Ich war zu einem orientierenden Einstiegsvortrag  von (nur) 20 Minuten eingeladen - den ich (leider) aufgrund anderer Verpflichtungen in der universitären Lehre, die ich nicht zurückstellen wollte, nur aus der Distanz halten konnte.   

Nun hat die Robert-Bosch-Stiftung das zusammenfassende Dossier zur Veranstaltung veröffentlicht (s. HIER), in der sehr anschaulich und differenziert die Diskussionen des Forums nachvollzogen werden können. Auch enthalten darin ist eine Widergabe der zentralen Aussagen meines Vortrags, PPT und  Videomitschnitt sind verlinkt. Auf der Website  einzusehen ist zudem mein ausformuliertes Skript zum Vortrag (HIER), Meine Impuls legte ich als eine hinterfragende Lektüre der im seit September 2023 vorliegenden Eckpunkte zum Startchancen-Programm (s. HIER) mit Blick darauf an, wie hier die Rolle der Kommunen und ihre Mitwirkung am Gestalten und Umsetzen des Startchancen-Programms spezifiziert wird. Und entdeckte vor allem Leerstellen - was gerade bei der Bedeutung der Quartiersebenen und des vernetzten Agierens im kommunalen Kontext für den Erfolg des Startchancenprogramms von mir nur als ungünstig bezeichnet werden konnte.     

Für mich sind von diesem Vortrag - neben dem Versuch in knapper Zeit ein komplexes Thema diskursöffnend auf den Punkt zu zu bringen - vor allem die (unerwartet-ungünstigen) Nebenfolgen der Umsetzung via ZOOM-Zuschaltung in Erinnerung geblieben. Neben kleinen technischen Irritationen war es vor allem das generelle Fehlen eines atmosphärischen Feedbacks, das mir beim Vortrag nachdrücklich fehlte. Weder konnte ich (das hätte ZOOM sowieso akustisch ausgeblendet) wahrnehmen, wie das Publikum im Präsenz-Auditorium meine Scherze und Ironisierungen aufnimmt oder ob meine Zuspitzungen Nachhall oder Widerstand auslösen. Auch in den - ausgeblendeten - Kacheln der Online-Zuhörer:innen hatte ich kein Gegenüber. Eindrücklich war für mich so schon während des Vortrages, dass eine solche ZOOM-Zuschaltung letztlich dazu führt, dass ich den Vortrag ins Leere - für mich und in seiner Dramaturgie auch nur durch mit gestützt - halten muss. Und da (aufgrund der engen Zeittaktung, und der leider verzögerten Audio-Umschaltung ins Präsenz-Plenum) auch nach dem Vortrag keine Nachfragen möglich und die Überleitung des Moderators zum nächsten Impuls nicht zu hören waren, blieb ich - danach - mit meinen Gefühl der ausgeblendet-unzugänglichen und damit letztlich fehlenden Resonanz zurück. Was erst einmal schade war - aufgefangen aber dann durch einige Nachfragen per E-Mail mit Interesse an meinem Vortragsskript.  

News aus dem letzten Jahr (01): Ein Campusroman als Seminarergebnis

Vorbemerkung: Im laufenden Lehr-Betrieb des Wintersemesters 2023/24 habe ich mir nicht die Zeit genommen (nehmen können oder wollen), - auch noch - diesen meinen Blog mit den News aus meiner Tätigkeit zu füllen. Dabei hätte es durchaus einiges zu berichten gegeben. Hier hole ich nun das Versäumte in mehreren Postings nach. Hier das Erste.

Es kam anders als ursprünglich geplant und ist trotzdem gut: In unserem gemeinsamen Seminar zum kreativ-literarischen  Schreiben an Schulen im Sommersemester 2023 hatten Kirsten Schindler und ich den "Wuppertaler Schulhausroman" als abgeschlossenes Projekt des Literaturhauses Wuppertal in den Mittelpunkt gestellt und das Vorgaben verfolgt, zusammen mit den Studierenden im Seminar ehemalige Projekts-Teilnehmende (die jugendlichen Autor:innen der letzten zwei Wuppertaler Schulhausromane) zu finden und zu interviewen. Unsere - durchaus umfangfangreiche - Medienkampagne war leider (trotz erster Kontakte und auch Verabredungen) nicht erfolgreich: Unser Seminar stand Mitte Juni 2023 vor der krisenhaften Frage, was wir stattdessen sinnvoll umsetzen können (schließlich sollten die Studierenden auch die Möglichkeit haben, Studienleistungen zu erbringen). Die Lösung, die wir gemeinsam fanden, war: Dann tauchen wir eben selbst in die Praxiserfahrung ein (anstatt uns nur erzählen zu lassen) und schreiben eine eigene Geschichte - nach dem Modell des "Schulhausromans", so wie wir es im Austausch mit den Wuppertaler Projektverantwortlichen, aber auch orientiert an der weiterhin sehr lebendigen Ursprungsinitiative (siehe HIER) kennengelernt und verstanden haben. Wir haben gemeinsam Figuren entwickelt, geplottet, getextet und die entstandenen Szenen zu einer fortlaufenden Story zusammengefügt. Statt an einer Schule (bzw. in der Lebenswelt der Schüler:innen) spielt unser Roman an der Universität und zwar, genau: an der Universität Wuppertal.

Die Arbeit am Text, das Lektorieren. Layouten und Drucken des gemeinsames Romans hat dann über das Sommersemester 2023 hinaus gedauert. Aber am 22. November 2023 kamen wir alle (endlich) noch einmal zusammen - im Rahmen des schon längst gestarteten Wintersemester-Nachfolgeseminars: Um den Studierenden des neuen Kurses unser Werk zu zeigen, daraus zu lesen und - aus eigener Erfahrung heraus - zu berichten. Wie sich das anfühlt und was es bedeutet, eine solche Geschichte gemeinsam zu schreiben, was schwierig und anders-neu möglich ist beim Zusammenarbeiten und Sich-einigen-Müssen ... und ob wir uns ein solches Vorhaben auch an Schulen, integriert in den Unterricht vorstellen können. 

Unser Buch mit dem Titel " Ein Sommer in Wuppertal - Zwischen Liebe, Leid und Lehrveranstaltungen" (104 Seiten) haben wir in einer Kleinauflage selbst gedruckt. Darin enthalten ist auch schon ein einordnender Bericht zum Vorhaben und unseren Erfahrungen. Bei Interesse schicke ich gerne ein Exemplar zu (E-Mail an mich). Ob, wie und wann wir das Buch auch elektronisch veröffentlichen, haben wir noch nicht entschieden.

 Und hier noch - abschließend - Titelbild und  Klappentext: "Sidney ist verzweifelt. Erst trennt sich ihr Freund Nero von ihr und dann schmeißen sie auch noch ihre Eltern raus; kein guter Start ins erste Semester. Juan ist orientierungslos, warum hat er sich nur für ein Erasmus-Semester in Wuppertal beworben? Frau Dr. Fuchs hingegen ist frustriert, außer ihrem Kater Michelangelo gibt es wenig, was sie gerade begeistern kann. Und Jonas ist benebelt, seit einiger Zeit hat er seinen Graskonsum nicht mehr unter Kontrolle. Nur Mohammed ist bereit für sein Studium. Endlich kann er sein Hobby zum Beruf machen. Sie alle erleben ein Sommersemester voller Liebe, Leid und Lehrveranstaltungen."

Campusroman - geschrieben unter Anleitung von Matthias Rürup & Kirsten Schindler von: Luca Ackermann, Laurids Dinger, Fedor Ehser, Matthis Hohdorf, Antonia Jaster, Marie Kühler, Laura Mistler, Theo Niehoff, Nina Robbe, Matthias Rürup, Kirsten Schindler, Dorothee Scholz, Michelle Unterberg, Janine Verwaayen, Anna-Laura Viethen. Wuppertal: Bergische Universität Wuppertal, 2023.

Angebot: Drei Master-Thesen zum Thema "Draußen lernen"

Seit dem Schuljahr 2022/23 ist die Grundschule Bleibergquelle in Velbert neu eröffnet; im Frühjahr 2023 wurde der Neubau der Schule inklusive eines großen Außengeländes fertiggestellt und bezogen. Das Besondere an dieser privaten Grundschule ist ihr Konzept einer Draußenschule (vgl. https://gsbleibergquelle.de/draussenschule/). Unabhängig von Wind und Wetter findet der Unterricht an einem Tag der Woche draußen statt. Die Grundschule hat Interesse an einer wissenschaftlichen Untersuchung, wie sich dieses Schulkonzept im Alltag realisiert, insbesondere dazu, wie die Kinder die Gelegenheit des Draußen-Lernens annehmen bzw. die wechselnden Unterrichtsorte und -formen für sich nutzen.

In Kooperation mit dem Arbeitsbereich „Empirische Schulforschung“ werden hiermit drei Master-Thesen zu dieser Themenstellung ausgeschrieben. Die Master-Thesen sollen im Zeitraum von Dezember 2023 bis Mai 2024 erstellt werden; zur gemeinsamen Vorbereitung und Umsetzung des
Forschungsvorhabens wird ein regelmäßiges Kolloquium angeboten. Das Angebot richtet sich vor allem an Master-Studierende mit Ziel Lehramt Grundschule, ist aber auch für andere Lehramts-Studierende geöffnet.

Interessierte Studierende melden sich bitte bis zum 31.10.2023 bei Dr. Matthias Rürup als Koordinator des Angebots (E-Mail: ruerup@uni-wuppertal.de). Am 07.11.2023, 12:30 Uhr findet eine Vorbesprechung mit den interessierten Studierenden statt. Der Ort für die Vorbesprechung wird noch mitgeteilt.



Ein Lehrforschungsprojekt zum Wuppertaler Schulhausroman: Wir suchen Gesprächsparter:innen!

Über eine Pressemeldung der Bergischen Universität ist es auch schon in der Welt: Zusammen mit Lehramtsstudierenden und Kirsten Schindler beschäftige ich mich in diesem Semester mit dem Wuppertaler Schulhausroman - einem inzwischen abgeschlossenen Projekt des Literaturhauses Wuppertal. Wir haben ausgewählte Schulhausromane gelesen, uns mit den damaligen Organsiator:innen und Begleiter:innen unterhalten und wollen nun Interviews mit den Schüler:innen von damals führen - was haben sie erlebt, wahrgenommen und empfunden. Und wie bewerten sie diese Erfahrung von heute aus? Wie wichtig oder auch prägend über die Jahre, was sie für sie?

Konkret suchen wir die jungen Autor:innen von zwei Wuppertaler Schulhausromanen - den letzten beiden aus dem Jahr 2016:
  • die Autor:innen des Buches "Freundschaft, Frust und vielen Fragen. Geschichten von Anne und Tim", das unterstützt von Dorothea Müller an der Erich-Fried-Gesamtschule in Ronsdorf geschrieben wurde. Es war die Klasse 8.4! 
  • und die Autor:innen des Buches "Flammen über der Stadt", betreut von Michael Zeller und verfasst von den Schüler:innen der Klasse 9a der Realschule Neue Friedrichstraße in der Elberfelder Nordtstadt. 
Wer erinnert sich an diese Titelbilder bzw. Bücher im Regal? An die Zeit in der Schule damals und die Mitschüler:innen? Kennt sie persönlich oder die Familien?  Kann auf unser Projekt hinweisen und Kontakt herstellen? 

Es wäre schön, eine Reihe verschiedener Stimmen, Perspektiven und Positionen zu sammeln, um - das ist unser und mein Anliegen - zu verstehen, was dieses Projekt damals aus Sicht der beteiligten Schüler:innen war.

Als Kontaktperson hat sich meine Kollegin Kirsten Schindler (E-Mail: kschindler@uni-wuppertal) zur Verfügung gestellt. Wir hoffen auf eine Rückmeldung bis Anfang Juni, um die ca. halbstündigen Interviews noch vor den Sommerferien durchführen zu können. 

Herausforderung - Zweiter Bundeskongress vom 22. bis 24.09. in Landau

Die Idee der "Herausforderung", davon bin ich überzeugt, lässt sich nicht von außen und oben in Schulen implementieren - es braucht die Überzeugung und die Aktiven vor Ort. Umso wichtiger ist die Kontakt und die Vernetzung zwischen den einzelnen Schulen, Lehrkräften und sonstigen Akteur:innen, die diese Idee an immer mehr Schulen in Deutschland tragen.

Dazu diente - vor Corona - der erste Bundeskongress "Herausforderung" im Februar 2019 an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum und dazu soll nun auch der zweite Bundeskongress dienen. Dieser wird vom 22. bis 24. September 2024 in Landau - an der dortigen Universität und integrierten Gesamtschule stattfinden. 

Auf der Website von "Herausforderung einfach machen" ist nun die Einladung und Anmeldung zum Bundeskongress veröffentlicht, zusammen mit dem aktuellen Stand des Programms, siehe unter: https://www.herausforderung.eu/bundeskongress/ 

Um den Kongress zu refinanzieren, gibt es ein Teilnehmer:innen-Gebühr von 50,00 € für Erwachsene, 25,00 € für Jugendliche bis 18 Jahren; von Schulen, die Mitglied bei "Herausforderung einfach machen" sind, ist für eine Person die Teilnahme frei. 

Gemeinsam getragen und organisiert wird dieser Kongress von den Initiativen "Schule im Aufbruch" (Margret Rasfeld), "Herausforderung einfach machen" (Markus Teibrich und Mathias Pfeiffer), der Gesamtschule Landau (allen voran Uli Roos) sowie dem Forschungsbund HeRiS, dem die Universitäten aus Landau (Michael Zimmer-Müller), Siegen (Jörg Siewert), Einthoven (Kerstin Helker) und Wuppertal (Matthias Rürup) angehören.

Für Nachfragen zum Kongress steht unsere Kontakt-E-Mail-Adresse  bundeskongress@herausforderung.eu zur Verfügung.

Wieder unterwegs: Schüler:innen, die sich Herausforderungen stellen, suchen Begleitpersonen

Die Corona-Zeit hat auch dieses besondere und von mir gerne unterstützte schulische Angebot ausgebremst: Schüler:innen der Mittelstufe eine Auszeit vom normalen Schulbetrieb zu ermöglichen, in der sie sich einer selbstbestimmten außerschulischen Aufgabe stellen, die sie persönlich herausfordert. 

Jetzt starten einige Schule wieder oder auch neu mit diesem Angebot, so zum Beispiel das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal, wo es den Namen "Temptemus - Lasst es uns wagen" trägt. Zehn Tage lang haben die Schüler.innen des gesamten Jahrgangs 10 zum Anfang des neuen Schuljahres 2023/24 Zeit für eine außergewöhnliche Bewährungsprobe. 

Zur Begleitung, Unterstützung und Absicherung suchen die Schüler:innen nun erwachsene Begleitpersonen - insbesondere unter den Lehramtsstudierenden an der Bergischen Universität, die so die Chance haben können, Schule und Jugendliche einmal von einer anderen (weniger formalisiert-vorhersehbaren) Seite kennenzulernen. Unter Mitarbeit des "Medienprojektes Wuppertal" haben die Schüler:innen dazu ein Video gedreht (siehe HIER in vimeo).

Studierende, die Interesse haben, die Schüler:innen bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, können dieses Engagement auch als Forschungsprojekt in ihr M.Ed-Studium . Ein entsprechende Begleitseminar  ist eingerichtet. Weitere Hinweise dazu finden sich im Vorlesungsverzeichnis der Bergischen Universität Wuppertal (Kurs SOE999025 Begleitseminar zum Forschungsprojekt) bzw. auf der Projektseite https://emps.uni-wuppertal.de/de/herausforderungen/

Für Nachfragen und zur Anmeldung wenden Sie sich bitte an mich (ruerup@uni-wuppertal.de

Anderthalb Jahre keine News?

Dieser Blog dient - wie in der Wissenschaft üblich - dem öffentlichen Tätigkeitsnachweis: In Listen aufgeführt werden die Veröffentlichungen, Lehrveranstaltungen, Vorträge und Projekte - in den News-Meldungen auf der Startseite hingegen nur das herausgehoben Wichtige. Und dann ist dies (betrüblicher- und signifikanterweise) der erste Beitrag seit fast anderthalb Jahren.

Ist also nichts passiert?  Ja, nichts, zumindest nichts, was aus dem täglichen erwartet-normalen Aufgaben herausragen würde oder als erreichtes Ergebnis besonders zu bejubeln gewesen wäre. Dabei ist durchaus viel passiert in den letzten zwei Jahren:

  • einmal drei Semester lang eine Umstellung der gesamten Lehre, aber auch Prüfungen auf Distanz- und Onlineformate und wieder zurück seit inzwischen zwei Semester in direkte Interaktion und Präsenz (ohne das zwischendurch Gelernte zu ignorieren und einfach zum Vorherigen zurückzukehren),
  • dann natürlich die fortgeführte Begleitung und Unterstützung von Schulen, die die Idee der "Herausforderung/Herausforderungen" umsetzen - mit Evaluationsberichten, Online-Workshops und der gemeinsamen Arbeit an einem Buch, das nun - etwas verzögert - beim Verlag liegt. Auch sind mehrere Artikel aus den Erhebungsdaten unserer Projektbegleitung publiziert worden, die ich allerdings (da ich nicht als Erstautor fungiere) hier nicht extra hervorgehoben habe.
  • Beschäftigt hat mich aber auch eine eigene mehrjährige berufliche Fortbildung zur Gruppenleitung mit dem Ansatz der "Themenzentrierten Interaktion", die ich im November glücklich mit einem Zertifikat abschließen konnte ... da sie mir aber neben den wichtigen beruflichen Bezügen immer auch persönliche Fortbildung (Bildungsurlaub und Erwachsenenbildung) war, habe ich sie hier nicht erwähnt.
  • Und auch mit - eher kleineren - Publikationen, Drittmittelanträgen für und Umsetzung eigener Projekte habe ich mich in den letzten Jahren beschäftigt. Hervorzuheben vielleicht als veröffentlichtes Resultat (neben vielem auch unergegiebigem Bemühen): Meine Auseinandersetzung mit der Resonanzpädagogik in einer Sammelrezension für das journal für lehrerInnenbildung (1/2022) . 
Zu den verminderten Nachrichten gehört sicherlich auch, dass ich neben der universitären Arbeit auch ein zweites literarisches Arbeitsleben habe (im Herbst 2022 erschien mein zweiter Gedichtband "Chefchen. Eine Höllenfahrt" im Geest-Verlag, das neolith-Magazin für neue Literatur an der Bergischen Universität  dass ja jährlich eine weitere Ausgabe vorgelegt, die siebente ging gerade in Druck und auch die neolith-Textwerkstatt ist nach den Corona-Beschränkungen wieder neu gestartet.) Im Herbst 2021 habe ich nicht nur die Premiere des Flanierfestivals "Literatur in der Stadt" auf dem Laurentiusplatz in Wuppertal verantwortlich mitorganisiert; seitdem habe ich zudem die ehrenamtliche Leitung des Literaturhauses Wuppertal übernommen. 

Insofern war ich beileibe nicht unbeschäftigt in den letzten Jahren, aber zu erwähnen hier - als wissenschaftliche 'Großtaten' - war davon nichts ... oder eigentlich nichts. Vielleicht bin ich (um einmal, was ja wissenschaftlich gerne unter Verdacht der Subjektivität gestellt wird, von mir zu reden) aber auch nur zu zurückhaltend.

Abschließend zum Jahr 2022 war es mir zumindest ein Bedürfnis, das alles einmal aufzuschreiben.

Auf ein neues!

Spiel vs. Leben - Buch jetzt als Open-Access-Publikation

Vor drei Jahren ging das mehrjährige Kooperationsprojekt "Spiel vs. Leben" zu Ende (siehe Projekt-Website). Darin hatten Schüler*innen verschiedener Schulen aus Wuppertal zusammen mit Studierenden der Bergischen Universität gemeinsam zur Forschungsfrage gearbeitet, was man eigentlich - positiv gesehen - bei Videospielen lernen kann. Während in den ersten zwei Durchläufen des Projekts am Ende eine öffentliche Konferenz an der Bergischen Universität stand, auf der die Schüler*innen und Studierenden ihre Arbeitsergebnisse vorstellten, erarbeiteten die  Teilnehmer*innen im letzten Projektdurchlauf gemeinsam ein Buch. Dieses wurde Ende 2017, publiziert im Verlag 3.0, feierlich im Wuppertaler Kommunikationszentrum die börse vorgestellt. 

Nun wurde das Buch noch einmal als E-Book überarbeitet und über die bildungswissenschaftliche Open-Access-Plattform pedocs frei veröffentlicht (vielen Dank für die Freigabe auch noch einmal an Zsolt Majsai vom Verlag 3.0). Zugriff zum E-Book gibt es über folgenden Link: https://www.pedocs.de/volltexte/2020/20559